Rewind: Klassiker, neu gehört Brian Eno – Before And After Science (1977)

Rewind: Klassiker, neu gehört
Brian Eno – Before And After Science (1977)

Das Filter – Gespräch: Thaddeus Herrmann, Martin Raabenstein – 15.02.2017

Im Dezember 1977 erschien Brian Enos fünftes Studio-Album „Before And After Science“. Vorbei war seine Zeit bei Roxy Music, der Musiker widmete sich vermehrt dem Sound, den wir heute Ambient nennen. „Discreet Music“ hatte er bereits vorgelegt. Kurze Zeit später sollte „Music For Airports“ folgen, eine Platte, die maßgeblich für den Ruf Enos verantwortlich ist, den er noch heute genießt. Für „Before And After Science“ arbeitete Eno mit zahlreichen Musikern zusammen: seinem ehemaligen Roxy-Music-Kollegen Phil Manzanera zum Beispiel, aber auch Phil Collins, Robert Fripp, Jaki Liebezeit, Achim Roedelius, Freds Frith und Kurt Schwitters. In Enos Diskografie markiert das Album einen Wendepunkt. Vergangenheit und Zukunft treffen in kompakten 40 Minuten aufeinander, einige seiner besten Songs überhaupt inklusive. Herrmann und Raabenstein hören 40 Jahre später einordnend nach.

Martin Raabenstein: Während in England schon die ersten Punks starben, lange bevor der Begriff hier in der Republik überhaupt massentauglich wurde, bringt Brian Eno ein weiteres Vokalalbum. Seine Spiderweb-Spaghetti-Tolle hat er dafür schon kurz über den Ohren gestutzt, damit man besser höre, was denn da noch so kommt. Zeitgleich sind seine ehemaligen Buddies von Roxy Music auf dem besten Wege, das musikalisch schlimmste Jahrzehnt vorzubereiten, das ich kenne, die Achtziger.

Thaddeus Herrmann: Ich muss mich direkt an dieser Stelle aus ZDF-History ausblenden, weil ich mein Kabel-Abo nicht bezahlt habe. Tut mir leid! Spaß beiseite. Das ist eine sehr unentschiedene Platte, finde ich, zumindest geht sie so los. Da rockt das Honky-tonk und alles klingt so gar nicht nach Punk, sondern vielmehr nach Pub Rock. Das gibt sich zum Glück recht schnell, und dann wird das Album auch für mich interessant oder zumindest interessanter.

Martin: Ich hätte da noch härtere Worte als Pub Rock. Diese Southhampton-Pfadfinder’s lustige Wanderlieder sind nie meins gewesen.

Thaddeus: Die ersten beiden Tracks hätten die Jungs damals wirklich weglassen können. „Before And After Science“ finde ich spannend, aber nicht bahnbrechend. Zwei seiner besten Songs aller Zeiten sind hier zu finden, über die sprechen wir bestimmt noch. Man merkt der Platte auch an, dass er parallel bereits an seinen Ambient-Konzepten arbeitete. Details »

Brian Eno

Brian Eno.
Panic Of Looking.
Warp Records.

Extrem reduzierte, und an seine herausragenden Arbeiten aus den späten Siebzigern und frühen Achzigern anknüpfende EP des Elektronikpioniers und Ambient Granden Brian Eno. Die fast stoisch vorgetragene Lyrik des Dichters Rick Holland gleitet abgehoben über der musikalisch minimalen Landschaft, ab und an vom Meister stimmlich unterlegt. Spoken Poetry, eigentlich schon seit einere Weile totgesagt, erhält eine nicht mehr neue, hier aber durchaus anziehende Version. Wer Eno’s Werk in den letzten Jahren nicht so richtig goutieren konnte, dem ist hier ein Ansatz zu alter Grösse gegeben.