Julia Holter

holter

Julia Holter.
Tragedy.
Domino Recording Co.

Reissue von Holter’s 2011er Release auf Leaving Records. „Tragedy“ ist eine Bearbeitung der Tragödie „Hyppolytus“ von Euripides, eine klassische Inszenierung um Ränkespiele der griechischen Götter, all included, verschmähte Liebe, Hass, Rache und Tod. Man kann jetzt nicht mit eindeutiger Sicherheit sagen, ob es die Künstlerin bedauert, den täglichen Unbill nicht mehr den Intrigen gelangweilter Unsterblicher zuschreiben zu können. Diese Frage ist bei der Finesse wie Julia Holter hier Field Recordings, Drones, Ambient, Neo-Classical und Electronica zu einem einzigartigen Erlebnis verdichtet auch definitiv nebensächlich, alles zusammengefasst durch ihre Stimme – Laurie Anderson wäre ein möglicher, aber nur annähernder Vergleich. Die aus Los Angeles stammende Multi-Instrumentalistin und studierte Komponistin legt hier eine Komplexität an Sound und Arrangement vor, die bezauberte Sprachlosigkeit hinterlässt – und schiere Freude.

Clinic

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Clinic.
Free Reign II (Daniel Lopatin Versions).
Domino Recording Co.

Im November 2012 erschien das siebte Album der Band Clinic, ein selbstproduziertes, soweit unspektakuläres Prog Rock Album. Das von Daniel Lopatin aka Oneohtrix Point Never gemischte Album erfährt nun eine wundersame Wandlung, mit „Free Reign II“ liegen hier die alternativen Mixes des Mannes hinter den Reglern vor, und jetzt, jetzt wird die Sache erst spannend. In altbekannter, genresprengender Manier mischt Lopatin den Originalen echtes Feuer unter den Hintern und zerrt alles mit unter die Bettdecke was seiner Meinung nach das Bett brennen lässt, Prog ist nur noch die Matratze auf der sich Psychedelic, Kraut und Elektronik kräftig an den Arschhaaren zupfen. Diese Neuinterpretation ist ein glorioses Beispiel für die Kraft des Wissens um die Welt hinter dem Tellerrand und ein geeigneter Zeigefinger für diejenigen, die glauben nur ihr Instrument beherrschen zu müssen und alles wäre damit schon gut.