Douglas Dare

dare

Douglas Dare.
Whelm.
Erased Tapes.

Vor knapp einem halben Jahr hat Douglas Dares EP „Seven Hours“ schon starke Wellen geschoben, hier folgt nun das Debüt Album „Whelm“ für das Londoner Erased Tapes Imprint. Es gibt eine ganze Menge Musiker die ihr Stücklein singend, sich selbst am Piano begleitend, vortragen. Dare unterscheidet sich oberflächlich nur in winzigen Details von den Anderen und gerade diese schwer in Worte zu bindenden Eigenarten lassen seinen Fluss diese individuelle, faszinierende Biegung nehmen. Spürt er als Poet einen anderen Einstieg in die Musik oder hat er ein viel tiefer sitzendes musikalisches Selbstbewusstsein und gleichzeitig (oder gerade darum) so eine bezaubernde Art diese unerhörte Wucht seines Antriebs in so ruhigen, eindeutigen Bahnen darzubringen? Gleichwohl, ich finde keine Sprache dafür, ich schaue nach oben und klappe Ab und An den Mund auf und manchmal auch wieder zu. Und dann, auf „Swim“, dem neunten Stück kommt er dann mächtig, lässt den Damm brechen, aber nur kurz, schon fliesst er weiter. Das ist einfach schön, und vielleicht ist es auch völlig egal warum dem so ist.

 

Douglas Dare

dare

Douglas Dare.
Seven Hours.
Erased Tapes.

Tja, Sohn einer Klavierlehrerin müsste man sein. Da könnte man schon Kekse mümmelnd früh an dieses Instrument herangeführt werden. So geschehen bei dem Londoner Singer-Songwriter Douglas Dare, neuester Zugang des fein strahlenden Imprints Erased Tapes. Die vier Tracks seiner Debut-EP „Seven Hours“ zeigen den 23-jährigen frisch und reif entwickelt.  Irgendwo zwischen James Blake ohne schwermütigen Knispelkram und Nils Frahm, ohne dessen jazzy Vibes, tastet sich Dare, subtil produziert von Drummer/Producer Fabian Prynn durch seine Klavierwelten. Der Artist begann erst während seines Studiums an der School of Music / University of Liverpool Texte zu schreiben und sich selbst damit zu begleiten. Gedichte und Kurzprosa sind Basis dieser EP, Dares darauf entstandene Pianoimprovisationen wurden von Prynn mit dezenter, dennoch klare Strukturen bildender Perkussion ummantelt. Teile der Takes wurden mit einem simplen Kassettenrekorder aufgenommen, was der Produktion nicht schadet, im Gegenteil, die zeitweise suchenden Kompositionen des Künstlers erhalten dadurch eine gut verträgliche Unschärfe, die den Arbeiten wohltut. Dare, der Ólafur Arnalds auf seiner letzten Europa Tournee begleitet hat, festigt den Eindruck  dass hier eine Generation handwerklich brillanter Musiker nachwächst, deren Anliegen vielleicht nicht sein mag die Musikgeschichte neu erfinden zu müssen, denen es aber dennoch gelingt das Publikum weich für sich einzunehmen. Man kann diesem jungen Komponisten nur wünschen dass er sich Zeit lässt in seiner Entwicklung, nach Auskunft des Labels steht ein Album schon in der Planung. Es gibt leider zu viele Talente die sich an diesem Format aufgerieben haben. Man wird sehen, „Seven Hours“ ist auf jeden Fall bemerkenswert…

Various

erased_tapes_cv

Various.
Erased Tapes Collection V.
Erased Tapes.

Das Schlimmste was einem Sammler passieren kann ist dass er sich unversehns in einem Gespräch mit einem Nichtsammler verstrickt sieht. Hier prallen nicht nur grobes Unverständnis und hämische Respektlosigkeit aufeinander und wer hier wem zurecht die einfingrige Masturbanz vorwerfen kann – geschenkt. „Erased Tapes Collection V“ ist unbenommen ein fettes Stück Sammler Himmel, fünf Vinyl 7“ mit zehn unveröffentlichen Tracks in einer handgefertigten Box, gestaltet von Torsten Posselt / FELD Berlin – ein logo-geshaptes Centrepiece ist noch fürsorglich beigelegt und ein ebenso bedrucktes Staubtüchlein – schöner kann man Liebe nicht beschreiben. Das unter Robert Raths seit 2007 geführte Londoner Imprint zelebriert mit einer limitierten 500er Auflage dieses Wunderkistchens seine ersten sehr erfolgreichen fünf Jahre und alle innovativen Granden, die das Label an die Pole Position geführt haben, sind hier vertreten. Nils Frahm, Peter Broderick, Ólafur Arnalds, Codes In The Clouds und The British Expeditionary Force spielen ein feines Ständchen, Anne Müller, World’s End Girlfriend, Rival Consoles und Kiasmos tun es ihnen gleich und auch das A Winged Victory For The Sullen Chamber Orchestra schwingt hierfür seine Bögen. Das eher im kammerorchestralen Wind segelnde Label zieht auf dieser Compilation mit experimentellen und 4/4 Auslegern die eigene Bandbreite weiter und zeichnet trotz der minimierten Trackanzahl fein ausgewogene, grosse Kreise. Wer die stolzen 70 Pfund für die Box auf dem labeleigenen Store scheut (und das geht noch teurer, anderswo !!!) muss sich bis zum diesjährigen Weihnachtsabend gedulden um an die Downloads der Stücke zu kommen – härter kann man Liebe nicht beschreiben. Oder man zieht das Fest vor und legt sich selbst „Erased Tapes Collection V“ freudig erregt unter das Tännchen im Garten. Sammlerleben ist einfach herrlich…

Lubomyr Melnyk

melnyk

Lubomyr Melnyk.
Corollaries.
Erased Tapes.

Dezent von Nils Frahm und Martyn Heyne begleitet, produziert und aufgenommen von Peter Broderick, veröffentlicht der kanadische Pianovirtuoso Lubomyr Melnyk sein Minimal Album „Corollaries“ für Erased Tapes. Was der Begriff „schnellster Meister auf seinem Instrument“ bei der Gitarre anrichten kann ist uns allen bekannt, Melnyk wird auch als solcher bezeichnet und durchschreitet trockenen und geschwinden Fusses die Meere seiner Harmonien und Melodien.
Die Tastenanschlagszahl hierbei ist wahrlich berauschend, zwingend wird das fünf Stücke umfassende Album dadurch aber nicht, irgendetwas Ungreifbares verbleibt trotz heftigem Bewegungsdrang statisch, monolithisch starr. Da können auch Melnyks Mitstreiter nicht wirklich den Frachter zum schwimmen bringen, Broderick und Frahm sind geübte Paddler in der Materie und wissen, auch im Miteinander, wo weniger mehr ist, nur dazu haben sie hier wenig Gelegenheit. Beim letzten Stück „Le Miroir D’Amour“ geht dann auch richtig die Lampe aus, das ist des Kitsches reinste Seele. Es mag Leute geben, die das ganz anders sehen und gerne in schwerer Emotionalität schwelgen. Dafür dann ist „Corollaries“ perfekt.

Michael Price. A Stillness

Michael Price.
A Stillness.
Erased Tapes.

Gerade einmal 12 Minuten umfasst die 4 Track EP „A Stillness“ des durch Arbeiten für die Filmindustrie wie „Herr Der Ringe“, „James Bond“ und unlängst für die BBC Serie „Sherlock“
zu Rang und Ehre gelangten Komponisten Michael Price. Der ursprünglich für zeitgenössische Choreographie schreibende Künstler war 1996 dem Ruf des amerikanischen Grossmeisters Michael Kamen in die Welt des Scores gefolgt, um nun wieder, befreit von der Last den bewegten Bildern das musikalische Mäntelchen hinterher tragen zu müssen, frei und ungezwungen Stücke für ein Streichquartett schreiben zu können. „A Stillness“ ist ein leider viel zu kurzer Ausflug in eine zartfühlige, sehnende Welt, die geschickt gelegten Melodiebögen sind in ihrer Schlichtheit einfach bezaubernd. Erased Tapes kann mit diesem kleinen Juwel geschickt seinen Modern Classical Katalog erweitern und es lässt sich mehr als wünschen, dass Price bald mit einem weiteren, längeren Werk unsere Ohren beglückt.

Peter Broderick

Peter Broderick.
These Walls of Mine.
Erased Tapes.

Zugegeben, Americana und Folk waren nie meins. Bis mir dann der Efterklang Tourmusiker und Multiinstrumentalist Peter Broderick mit seinen mehr als sensiblen Soloalben, unter anderem auch mit seiner Kollaboration „Oliveray“ mit Nils Frahm, eine Tür aufmachte. So stehen jetzt auch Bon Iver und Iron And Wine in meinen Regalen. Ende des kleinen Gebetes. Die Welt dreht sich weiter und Musiker entwickeln sich. Der Künstler verlässt mit „These Walls Of Mine“ die komplex faszinierende Einfachheit seiner gewohnten Pfade, vielleicht wird er erwachsen, vielleicht hat er zuviel James Blake gehört, zumindest sagt er selbst zu diesen zehn Songs, dass er nicht wisse, ob er sie liebe oder hasse. Gospel, Soul und Rap flattern eher unverbindlich um die Ohren, dem Mann ist auch noch sehr wichtig mitzuteilen, dass er Katzen möge. Brodericks Arbeiten waren immer schon sehr persönlich und in ihrer Fragilität zerbrechlich und fragmentiert. Auf diesem Album legt Broderck eine noch höhere Intimität in seine Texte, leider auf Kosten seiner auf alten Alben fein ausgearbeiteten musikalischen Qualitäten. Broderick ist jung, ein Album das polarisiert und auch auf Ablehnung stösst schadet seinem Ruf nicht wirklich. Möchte man meinen.

Olafur Arnalds & Nils Frahm

Olafur Arnalds & Nils Frahm.
Stare.
Erased Tapes.

Die Erased Tapes Buddies Olafur Arnalds und Nils Frahm haben in ihren Studios in Berlin und Reyjkjavik gemeinsam gesessen und unter Zuhilfenahme der Cellistin Anne Müller ein drei Track Mini-Album aufgenommen. Durch gemeinsame Touren und der gleichschwingenden Liebe zur Musik enger aneinandergewachsenen, ist „Stare“ die logische Konsequenz einer künstlerischen Freundschaft; ebenso erscheint dieser Release passend zum fünften Jubiläum des Labels. Frahms musikalischer Ausstoss als Solist und mit Kollaborationen in der letzten Zeit ist bemerkenswert, gerade aber „Stare“ zeigt, wo derzeit Grenzen sind. Wenn man dem Enstehungsmythos um seines 2011er Albums „Felt“ glauben will – Frahm hatte sein Piano aus Rücksicht seinen Nachbarn gegenüber gedämpft, und damit ein bemerkenswert anders klingendes Release erschaffen – so zeigt auch dieses Ambient/Elektronik Album mit Arnalds Spuren seiner freundlichen Zurückhaltung, diesmal aber nicht zum Vorteil. Sosehr beide beteiligten Artists an einem gemeinsamen Strang zu ziehen vermeinen, sind sie doch in ihrer Konsquenz sehr unterschiedlich, Frahms feinziselierte Finesse geht hier unter Arnalds Drang zum schwellenden Pathos unter, gerade seine so punktiert gesetzten, wundersam minimal gehaltenen Soundideen sind hier leidlich zu vermissen. Das wird Fans der beiden Künstler nicht davon abhalten dieses Album abzufeiern, eine gehörige Portion mehr Frahm bei Frahms kommenden Gemeinschaftsarbeiten aber wäre wünschenswert.

Oliveray

Oliveray.
Wonders.
Erased Tapes.

Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich Nils Oliver Frahm und Peter Ray Broderick zu einem gemeinsamen Album zusammen finden würden. Der Projektnahme bildet sich aus ihren zweiten Vornamen und wir gehen einfach einmal davon aus, dass dies nicht mit second best zu assoziieren sei. Schön geteilt, je zur Hälfte in Instrumentalsongs und Lieder mit Gesang, könnte „Wonders“ ebensosehr ein Livemitschnitt sein. Die nahezu überschäumende Spielfreude und Improvisationseleganz der beiden Berliner Musiker, zusammengefügt mit Frahms bewährter, meisterlichen Produktionshand, ist nicht der Beginn einer langen Freundschaft sondern deren hoffentlich nicht einziges und letztes Gemeinschaftsprodukt. Brodericks James-Taylor-Singer/Songwriter-Art spannt mit Gitarre, Geige und Stimme weitestgehend den Bogen, den Frahm gewitzt mit feingesetzter Intelligenz füllt und ergänzt, im umgekehrten Fall kann das Broderick bei „Just Resign“ nicht so ganz gelingen, das wäre aber bestenfalls eine unangebrachte Norgelei die anlässlich der Schönheit des Albums lässig unter den Tisch zu schieben ist.

Olafur Arnalds

Olafur Arnalds.
Living Room Songs.
Erased Tapes.

Arnalds spielte im Herbst diesen Jahres innerhalb einer Woche täglich einen Track ein und gab diesen zum kostenlosen downloaden preis, das Album „Living Room Songs“ ist nun bei Erased Tapes erhältlich. Das Ergebnis zeigt einen wieder an seine Anfänge anknüpfenden, sinnig im modern classic pool schwimmenden Komponisten, der bis auf „Near Light“ zumindest hier bei diesen Songs seine Finger von dümmlichem Stochern im rockigem Brackwasser lassen kann. Die Songs sind ordentliche Hausmannskost, der Spruch „zehn Tage war der Papa krank, jetzt geigt er wieder, Gott sei Dank“ ist nicht für diesen Künstler erdacht worden, passt aber. Wie lange sich aber dieses nicht zu benennen wollende Genre noch mit romantisch dräuenden Piano- und Streicheretuden über Wasser halten will und kann, ist fraglich.

Peter Broderick

Peter Broderick.
Music For Confluence.
Erased Tapes.

Broderick’s Karriere als Komponist und Musiker weist ansehnlich steil nach oben. Gerade nach Beendigung seiner Kollaboration mit dem Hollywood Granden Clint Mansell für den Soundtrack zu dem Film „Last Night“ erscheint sein neuestes Werk „Music For Confluence“ auf Erased Tapes. Auch dieses Album ist eine Auftragsarbeit für einen Film, diesmal eine Dokumentation über das mysteriöse Verschwinden junger Mädchen in Lewiston/Idaho rund um das Jahr 1980. Broderick, der unweit dieses Ortes aufgewachsen ist, schloss sich in den letzten Monaten des Jahres 2010 in einem Berliner Klavierladen ein, den er nach Geschäftsschluss nutzen konnte. Die spürbare Einsamkeit des nächlich verlassenen, von einem harten Winter umschlichenen Aufnahmeortes und das bedrückende Thema der Kompositionen ergeben ein dichtes, entgegen den ansonsten eher freudig erregten und offenen Arbeiten Brodericks, schwer lastendes, unentrinnbares Album. Beeindruckend still und …schön, wenn man nur den Anlass vergessen könnte.

Nils Frahm

Nils Frahm.
Felt.
Erased Tapes.

Nils Frahms dritter Solorelease auf Erased Tapes zeigt einen gereiften, keinesfalls aber gealterten Künstler. Seine weiterhin jungenhaft suchenden, positivistischen und hoffnungsdurchwachsenen, pianobasierten Kompositionen treiben, mit wenigen, dezent eingesetzten anderen Instrumenten unterlegt, wie Staub im Sonnenlicht, vergänglich und ewig zugleich. Der wohl schier grenzenlosen Freundlichkeit des Pianisten ist darüberhinaus ein überraschendes, neuartig klingendes Hörerlebnis zu verdanken. Frahm, der seine Nachbarn in seinem Berliner Studio nicht allzu sehr mit seinem Spiel belästigen wollte, dämpfte sein Instrument mit Filz und spielte das Album mit sanftem Anschlag ein. Die dem Piano sehr nahe beigestellten Mikrofone nahmen dementsprechend sämtliche mechanischen und menschlichen Nebengeräusche mit auf, ein ansonsten unliebsamer Effekt, den Andere so wohl unterbunden hätten. Nicht so Frahm der diese subtilen, rhytmustreibenden Auralunliebsamkeiten gewitzt und spielerisch, umtriebig interessiert in seine Arbeit integrierte. „Felt“ ist auf beeindruckende Weise selbstvergessen, ein graziles, an die filmischen Arbeiten der Quay Brothers erinnerndes, mechanisches Menschmaschinen Wunderwerk.

A Winged Victory For The Sullen

A Winged Victory For The Sullen.
A Winged Victory For The Sullen.
Erased Tapes.

Ein weiterer grosser Wurf gelingt dem UK Label Erased Tapes mit der Veröffentlichung der ersten Kollaboration zwischen Stars Of The Lid Mitglied Adam Wiltzie und dem amerikanischen Komponisten Dustin O’Halloran. Gemischt wurde das Album in einer Villa des 17. Jahrhunderts in der Nähe von Ferrara. Hier wird die Wahl der Produktionsstätten zum Konzept; Kirchen und alte Radiostudios dienten zur Aufnahme dieser sieben melancholischen, sich sanft in weite Klangräume wagenden und wieder zurückziehenden Kompositionen. Die Mischung aus O’Halloran’s tastendem Pianospiel, unterlegt mit Wiltzie’s schwellenden Ambient Drones, angereichert mit so illustren Gastmusikern wie Hildur Gudnadóttir und Peter Broderick generiert ein harmonisches Wechselspiel von Sehnsucht und Trauer, unterschwelliger Leidenschaft und …Dekadenz. Ein geflügelter Sieg für die Griesgrämigen? Beileibe nicht. Eher ein Triumph der süssen Melancholie, wiewohl einige wenige Passagen ein wenig in hermetische Schwermut verfallen.

Nils Frahm & Anne Müller

Nils Frahm & Anne Müller.
7fingers.
Erased Tapes.

Frahm’s wohlbekannter, emotionsgeladener Pianoarbeit seiner Releases „Wintermusik“ und „The Bells“ wird hier eine für ihn gänzlich neue Spielart hinzugefügt, glitchige Züge durchstreifen das Album „7fingers“, sanft zuweilen, prägend dann unter- und umstrichen von der Berliner Cellistin Anne Müller. Das Ganze könnte Gefahr laufen geschmäcklerisch zu werden würde der Meister nicht gekonnt den elektronischen Part seiner ganz eigenen Form des Geschichtenerzählens unterordnen und mit diesen neun Tracks angenehm auch im Pop stibitzte kleine Perlen präsentieren. Alle Elemente umtänzeln sich auf aufgeregt gedankenverlorene Art, ziehen sich wieder sanft zurück nur um sich dann erneut eifrig anzuspringen, eine wundersam anzuhörende Paarungsorchestrierung der in wenigen Momenten fast schon zu lieblichen Art. Nils Frahm, der in den letzten Monaten ausgiebig mit verschiedenen Musikern auf Tour war kann seine Freude und Spielfertigkeit der Bühne wunderbar in diesen Release einfliessen lassen. Da kommt noch mehr, hoffe ich.

Peter Broderick

Peter Broderick.
Music For Contemporary Dance.
Erased Tapes.

Der mit zahlreichen Ambient- und Folk- Veröffentlichungen allseits renomierte, aus Portland stammende Multiinstrumentalist Broderick veröffentlicht auf „Music for contemporary dance“ zwei mehraktige Arbeiten für zeitgenössischen Tanz. Ab und an enden Auftragskompostitionen in einem gefälligen Halbleben, nicht so hier. Die fein aufeinandergeschichteten und wunderbar verspielten, fast um sich selbst tanzenden Stücke lassen den dazugehörigen Event nur aus Gründen der Neugier vermissen, sind sie doch selbständige und bilderreiche Produkte in sich. Der seit seinem siebten Lebensjahr Violine, später dann Piano und Gitarre spielende Broderick, auch bekannt als Live-Mitglied der dänischen Gruppe Efterklang, hat eine kompositorische Kraft die ihresgleichen sucht. Die im Oktober beginnende Tour Broderick’s sollte auf jeden Fall nicht verpasst werden, wer ihn einmal live auf der Bühne gesehen und gehört hat weiss warum.

Codes In The Cloud

Codes In The Cloud.
Paper Canyon Recycled.
Erased Tapes.

Ist die Welt bereit für eine weitere Post-Rock Band? Auf der Website von Erased Tapes wird diese Frage mit „Ja‘ beantwortet. Auf jeden Fall hat diese Band ihr Album „Paper Canyon“  seit Anfang des Jahres zum Remixen zur Verfügung gestellt, hier nun das Ergebnis. Fünf der elf Trackbearbeitungen sind bemerkenswert, diese von Tom Hodge, Worriedaboutsatan, Library Tapes, Machinefabriek und vor allem der von Nils Frahm. Den Sound der aus Kent stammenden Codes In The Cloud in ein neues Gewand  umzustricken gelingt diesen Herren vor allem deshalb da sie das Post-Rock weitestgehend auslassen um es durch klassisch inspirierte, oder weit in Delays wegtauchende Soundgebäude zu ersetzen. Ist die Welt also bereit für ein weiteres Remix-Album? Ja, wenn man sich traut etwas wirklich Neues zu bauen…

Olafur Arnalds

Olafur Arnalds.
And They Have Escaped The Weight Of Darkness.
Erased Tapes.

Auf seinem zweiten Album auf Erased Tapes kehrt der Isländer Arnald’s zunächst vermeintlich zu seiner ursprünglichen und minimalen, neo-klassischen Arbeitsweise zurück; zart gesetzte Pianotexturen, leicht angebrochen, mit sanft angelegter orchestraler Unterstützung. Doch mittendrin erhebt sich unter Zuhilfenahme von Baroi Johannsson’s geschicktem Arrangement ein Set analoger Instrumente, und das Ganze fliegt schnell und punktgenau los, weg von der betulichen Ruhe abendlicher Sofawärme, mittenrein in das kalte Drama stratosphärischer Störungen altbekannter Popdiskurse. Aber keine Bange, Arnald’s meint es gut mit unserem körperlichen Wohlbefinden und geleitet uns mit sicherer Hand zurück in geliebte und uns bekannte, weiche Kissen. Wer also kurzzeitige Berührungen mit Erinnerungen an Camel oder ähnlich gestalteten, erschütternden Wirrungen der Popgeschichte nicht scheut, darf hier beruhigt einsteigen. Für die Anderen geht dieser Flug nicht ganz eindeutig, aber dennoch in die falsche Richtung.

Olafur Arnalds

Olafur Arnalds.
Dyad 1909.
Erased Tapes.

Für sein im Oktober vergangenen Jahres in London uraufgeführtes Tanzstück ‚Dyad 1909’ beauftragte der britische Choreograph Wayne McGregor den isländischen Musiker und Komponisten Olafur Arnalds, der sich mit seinen bisherigen Releasen auf Erased Tapes seit 2007 mühelos in die neo-klassische Oberliga spielte. Inspiriert durch die erfolglose Südpol Expedition des Engländers Ernest Henry Shackleton 1908/09, verbindet Arnalds seine Piano- und Streicherkompositionen mit für ihn untypisch eingeflochtenem elektronischem Schlagwerk und computergenerierten Stimmen. Beides wirkt gewollt, unausgegoren und einer simplen Dramatisierung folgend – hier zeigt sich das klassische Problem ein musikalisches Auftragswerk von seinem begleitenden Medium getrennt zu präsentieren, es bleibt gleichwohl offen ob hier der Auftraggeber seine Finger auf der Tastatur hatte. Die stellenweise eingebundenen Field-Recordings hingegen unterstützen mit ihrem dunklen Ambient Sound das Bild einer scheiternden Expedition, das Gesamtbild ergibt die endlose Weite und tödliche Gefahr des Südpoleises und eine gewisse melancholische Faszination an der Endlichkeit menschlichen Entdeckergeistes. Grösstenteils gelingt es Arnalds wieder an seine scheinbar so einfach hingezauberten 10“ auf Erased Tapes anzuschliessen, für Arnalds Neueinsteiger allerdings ist ‚Dyad 1909’ nur bedingt zu empfehlen.

Nils Frahm

Nils Frahm.
Wintermusik.
Erased Tapes.

Nils Frahm erschafft mit seinem für Erased Tapes veröffentlichten Album eine melancholische Intimität, deren Stimmungsschwere als Schauder einmal quer über den ganzen Körper streicht. Die hier aufgeführten drei Solo Piano Stücke, fein unterzogen von Orgel und Glockenspiel, erzeugen ein Stimmungsbad selten gehörterTiefe und Virtuosität. Schon jetzt auf der Stufe von Hauschka, Max Richter und Dustin O’Halloran stehend beobachten, observieren wir einen Achtundzwanzigjährigen der so selbstbestimmt und sicher auf seinem Instrumentarium spielt ,dass man vom Gehörten trunken, fiebernd dem entgegen sieht, was denn da sonst noch kommen mag. Der bei Nahum Brodski, dem Meister russischer Klavierkunst, Schüler wiederum von Tschaikowsky, studierte Frahm wickelt den Hörer mit einer unfassbaren Leichtigkeit in ein grosses weiches, weites Flies das die Zeit vergessen macht. Plötzlich ziehen Keith Jarrett ähnlich anmutende Klangkompositionen über die Szene, das Tempo zieht an, und schon sind die dreissig Minuten von ‚Wintermusik’ vorbei. Nochmal dann. Nochmal…