Yair Elazar Glotman

glotman

Yair Elazar Glotman.
Northern Gulfs.
Glacial Movements.

Hätte Brian Eno sein 1978er Album nicht „Music For Films“ genannt, vielleicht wäre dieser schwierig zu handhabende und schwammige Begriff „Cinematographic Music“ nie als Pseudogenre durch die Gassen geirrt. Dabei rumpeln auf sehr unscharfe Weise Musik, Sprache und Bild zusammen, hinzu kommt noch dass sich die Filmindustrie lieber mit Standartwerklern wie Herren Zimmer in die Köpfe des Publikums hämmert, als sich einer wirklich intelligenten und starken Musik zu bedienen, wie sie hier von Yair Elazar Glotman vorliegt. „Northern Gulfs“ ist „Ideal Score“ um es mal mit einem anderen Aufkleber zu probieren, die sieben Tracks darauf produzieren ein nicht alzu dunkles aber durchaus angebrochenes Stückchen Kino im Schädel. Das italienische Imprint Glacial Movements unter Alessandro Tedeschi hat schon einige namhafte Artists wie Celer, Pjusk und Loscil unterm Schirm, Glotman ist da ein wunderbarer Neuzugang.

Aidan Baker

baker

Aidan Baker.
Aneira.
Glacial Movements.

Mit „Aneira“ (walisisch für Schnee) veröffentlicht der kanadische Multiinstrumentalist Aidan Baker einen 48 Minuten Ambient/Postrock Track für das italienische Glacial Movements Imprint. Bekannt auch durch seine Kollaborationen mit Tim Hecker und dem zeitgenössischen Klassik Ensemble The Penderecki Quartet, entlehnt Baker die Idee hinter „Aneira“ der Robert Fripp’schen Soundästhetik auf dessen „Frippertronics“ und erweitert diese. Die durch Effektgeräte modulierte, und mit unterschiedlichen Techniken gespielte 12-String Gitarre wirkt wie unter meterhohen Schnee, direkt auf die gefrorene Erde geschoben. Lange, sich umschlingende Harmoniebögen und eine sich behutsam aufbauende Dramaturgie lassen das Stück beben und schlussendlich zum Brodeln bringen, die Schneedecke schmilzt und die erkaltete Erde erwärmt sich. Selten wurde der Übergang zwischen Winter und Frühling so dringlich nachempfunden, dieser kleine Moment, in dem das Leben nach langem Warten wieder von unten durch den Boden bricht. Baker hat in den letzten Jahren auch mehrere Poesie Bücher geschrieben. Das ist mehr als deutlich zu spüren.