Leyland Kirby

Leyland Kirby.
Intrigue & Stuff Vol.3.
History Always Favours The Winners.

Mittlerweile in Berlin ansässig bringt Leyland Kirby aka The Caretaker die dritte Ausgabe seiner „Intrigue & Stuff“ Reihe heraus. Es bedarf schon eines gestandenen Egos, die Wellen einer enthusiasmierten Öffentlichkeit zu ertragen, die Kirby mit seinen Caretaker Releasen und deren klaustrophobischen 78er Schellackverwerfungen ausgelöst hat. Kirby zieht sich hier geschickt aus der Affäre und veroffentlicht nun unter bürgerlichem Namen seine nicht auf knisterndem Altmaterial basierenden Bastelorgien. Die Machart ist ähnlich, die eingesetzten musikalischen Versatzstücke ganz anders, kreischende, stolpernde, verendende Maschinengesänge jagen sich treibend zum Erguss. Schwierig wird es wenn Kirby auf die Drumtastatur drückt, dann verblasst der mattschwarz saugende Glanz des geordneten Chaos zu einem merkwürdig hilflosen 80er Jamsession Wust. Vielleicht sollte sich der Artist hier jemanden ins Boot holen, der das besser kann.

The Caretaker

The Caretaker.
Persistent Repetition Of Phrases.
History Always Favours The Winners.

Die 2010’er Edition des vor zwei Jahren auf Install veröffentlichten Albums besticht weiterhin zeitlich unbeschadet durch Leyland Kirby’s äusserst eigenwilligen Vermengung gesampelter Loops mit der vermeintlich Originalität assoziierenden Untermischung vinyler Abnutzung (Kratzer, Rauschen und anderen physischen Wiedergabestörungen). Wenn es dem geneigten Nutzer zeitgenössischer Plugins für einen Moment gelingen sollte hier mehr als nur die fingerfertige Verwendung des Izotope Filters Vinyl herauszuhören, um dann über den Umweg des Effektes auf das eigentliche Endprodukt zurückkommen zu können, wird hier schnell klar wie der intelligente Einsatz allgemein verfügbarer elektronischer Bearbeitungstools zu erstaunlichen Ergebnissen führen kann, und es hier auch bahnbrechend tut. Gerade die sehr präzise Auswahl seiner Loops ermöglicht es Kirby eine Form vermeintlich verinnerlichter musikalischer Erinnerung anzusprechen, die, wiederum erstmal enttarnt, nahezu erschütternt simpel funktioniert. Ebendiese nachvollziehbare Simplizität, das Spiel mit dem inneren Sauhund das Original erkennen zu wollen, oder müssen, macht das Album so prägnant. Einmal die Zügel fahren gelassen trabt das Pferd immer heim, zurück in seinen Stall. Wie auch immer der aussieht.