Simon Fisher Turner

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Simon Fisher Turner.
The Epic Of Everest.
Mute.

Der Mythos, ob der englische Bergsteiger George Mallory 1924 der erste Bezwinger des Mount Everest war, will nicht enden. Zumindest lässt sich nicht eindeutig nachweisen, ob er mit seinem Partner Andrew Irvine
am 8. Juni den Gipfel erreichte, wiewohl seine 75 Jahre nach seinem vermutlichen Absturz gefundene Leiche Indizien aufzeigte, dass er es geschaft haben könnte. Das Archiv des BFI veröffentlicht nun die restaurierte Neufassung des Originalfilmes zur gescheiterten Expedition. Simon Fisher Turner, Musiker, Komponist, Schauspieler und Scoreschreiber von Derek Jarman, wagt sich vorsichtig, präzise und begeisternd an die musikalische Interpretation einer 90 Jahre alten Katastrophe. Der Artist vertonte schon einmal eine BFI-Restaurierung, „The Great White Silence“, ebenfalls eine tödlich endende Expedition, bei der der englische Forscher Robert Scott als zweiter nach Amundsen den Südpol 1912 erreichte um dann auf dem Rückweg zu verenden. Im Gegensatz dazu zieht es Fisher Turner bei „The Epic Of The Everest“ vor, nicht nur mit authentischen Materialien zu arbeiten. Auf allen möglichen Wegen, auch aus dem Internet, sammelte er Sounds zusammen, um mit einer Handvoll wohlbekannter Freunde (Cosey Fanni Tutti, Andrew Blick und Peter Gregson) das Scheitern am Berg nachzustellen. Das Ergebnis lässt einen die Heizung höher stellen, zwischendurch, der Einsamkeit entrinnend ein paar gute Freunde anrufen, um dann nach 16 Tracks wieder auf Anfang zu gehen… wohlig.

Einstürzende Neubauten

Einstürzende Neubauten.
Strategien Gegen Architektur IV.
Mute.

Gratuliere zum dreissigjährigen trunkenen Universum. Mit beigelegtem Zeit Online-Artikel zum Jubiläum ist es jetzt wohl an der Zeit für eine Zusammenstellung der Arbeiten der Jahre 2002 – 2010. Die äusserst kratzige Katze der Frühachziger ist einem restalkoholisierten, Beifall schnurrendem Kater gewichen, stimmbandzerfetzende Schreie voll Chaos zärtlich überblendet in säuselnde Erörterungen über Gaggenau Küchen. Die Anarchisten der frühen Jahre sind inzwischen zahm mümmelnde Feuilleton-Lieblinge die dem vom ehemaligen Hausbesetzer zum Hausbesitzer gewandelten Klientel die wärmeisolierende Decke der Erinnerung an eine bewegte Jugend über die kalten Beine legt. Ist das Kunst oder kann das weg? Was gestern war, nicht heute ist, das derzeit grassierende und wohlmeinende Netzthema „Musik und Altern“ hilft da nicht weiter über die Strasse und „Waiting For The Call“ war wohl nur eine Vertiefung im Bordstein. Dass Herr Bargeld das besser kann ist bei seinem Projekt mit ANBB nachzuhören.