James Blake

James Blake.
Enough Thunder.
Atlas Recordings.

The higher they climp, the harder they fall. Es gibt ja nicht wenige die dem Spiegel Feuilleton Liebling gar nicht erst das Zepter in die Hand geben wollten, für die ist dieser Spruch obsolet, liegt Blake doch seit seinem Debutalbum ohnehin schon in deren Restekiste. Für alle anderen, denen der Artist die Knöpfe an der richtigen Stelle gedrückt hat, ist „Enough Thunder“ keine Verlängerung sinnlicher Freuden, die Spielwiese wirkt herbstlich und abgegrast, mit einer Ausnahme – „Not Long Now“. Eine Schwalbe macht aber noch keinen Frühling, jetzt wird es erstmal Winter für James Blake und der wird wohl eher hart.

James Blake

James Blake.
Order / Pan 12″.
Hemlock Recordings.

Der Meister releast zwei darke, superschwere Tracks auf Hemlock, das UK Label dass ihn 2009 mit seiner weicheren und raumgreifenderen Version von Dubstep in alle Ohren brachte. Hier merkt man sehr deutlich dass Blake, im Gegensatz zu seinen an zwei Tasten noddelnden Kollegen vielschichtiger und mit konstanter Qualität an verschiedenen Ecken zündeln kann. Also, weg mit den Schmusedecken und Heultüchern die, ob seines Albumdebüts im letzten Frühling so zwingend notwendig zur Hand genommen werden mussten und zurück in die harte, trockene 808 Realität im minimalen Dubstep Halftempo.

James Blake

James Blake.
The Wilhelm Scream.
Atlas Recordings.

Mit zwei neuen Tracks und dem vor kurzem auf seinem Debut veröffentlichten Stück „The Wilhelm Scream“ gelingt es Blake vielleicht ein wenig zu früh nochmals auf sich aufmerksam zu machen, „What Was Is It You Said About Luck“ und „Half Heat Full (Old Circular)“ zeigen noch einen Zacken schärfer sein Gespür für brillanten Minimalismus und einen weiteren Blick tiefer in seine geschundene Seele. Ob das nun Take-Outs aus ‚James Blake‘ sind oder nicht mag dahin gestellt sein, das Ganze wirkt als hätte das Label bei seinm Erstling auf pressbare Albumlänge gedrungen und dem Künstler sei eine zeitnahe Verbindung mit dem Hauptwerk wichtig. Spekulation hin oder her, die beiden Neuen sprechen gross und mächtig traurig für sich…

James Blake

James Blake.
James Blake.
Atlas Recordings.

Mit nur einer Handvoll Vinyl in der Biographie und wenigen Kollaborationen schafft es James Blake mitten in den Fokus des Zeitgeschehens, die BBC jubiliert, der Kulturspiegel bastelt ihm ein massentaugliches Feature und Boomkat feiert ihn als Urban Blues Hero. Ob solcher verräterischen Spannweite wird hier und da sicherlich die Nase in Falten gelegt, sicher ist dass es seit Flying Lotus niemand geschafft hat so breitflächig aufzuräumen um dann noch selbst vom leicht zu belächelnden Mainstream so wohlwollend in Augenschein genommen zu werden. Gänzlich anders als seine in letzter Zeit abgefeierten Mitstreiter gelingt es Blake mit seinem bescheiden unter seinem Namen veröffentlichten Erstling nicht nur schnell produzierte sound-a-likes seiner EP’s anzuhäufen, im Gegenteil, das Album wirkt ausgeglichen, reif gewachsen und einfach… brillant. Die fein ausgetastete Mischung aus Post-Dubstep, funkiger Elektronik, Modern Classic und seiner über allem trohnenden, leicht angebrochenen, soulfähigen Stimme überzeugt ohne den geringsten Makel. Einfühlsam und vorsichtig fast, sanft gewickelt in etwas das man so schon lange nicht mehr hören dufte – Schlichtheit. Das bemerkenswerteste bei der Wahl zum König des zeitgenössischen Musikbetriebes ist dass der alte hier nicht sterben muss, also, lang lebe dieser König.

James Blake

James Blake.
Limit to Your Love.
Atlas Recordings.

Was für ein Luxus, James Blake mit einer einseitigen 10 inch!!! „Limit To Your Love“ geistert nun schon seit einer Weile im Netz herum und Blake’s Hype steigert sich offensichtlich wöchentlich. Das Piano Pop Stück, heftig unterzimmert mit wobbernden Subbässen und seitlich zierlich angezwickt mit winzigen elektronischen Bits bringt seine Stimme zum ersten Mal ohne Filter zum Tragen, schön, klar und ohne Schnick. Die hin und wieder einsetzenden Downtempobeats unterstreichen sein Wehklagen über gebrochene und verzagte Liebe, der Track geht so wie er kommt, nackt und pur. Ohne Remix und B-Seite. Der Schmerz sitzt offensichtlich tief um mit solcher Konsequenz zu antworten.

James Blake

James Blake.
Klavierwerke Ep.
R&S Records.

Verschiedene Onlineplattformen waren ja schon bei den Pre-listenings zu Blake’s neuer Ep „Klavierwerke“ schiergar zu Tränen gerührt, und dies nicht ohne Grund. Die vier hier auf dieser 12″ versammelten Stücke sind die Crème de la Crème was elektronische Musik derzeit zu bieten hat, die Art wie James Blake seine Strukturen aufbaut um sie sogleich wieder zerfliessen zu lassen sucht auf weiter Flur seinesgleichen. Diese bis zur Grundsubstanz in aktueller Produktionstechnik runtergeschraubte moderne Kammermusik wird nicht nur die Post-Dubstep Gemeinde zu Recht in hellste Begeisterungsstürme stürzen.

James Blake

James Blake.
CMYK Ep.
R&S Records.

Der Londoner James Blake, wohl interessantester Producer derzeit auf dem Wonky / Grime Markt, bringt nach diversen Releasen auf Hemlock und Hessle Audio nun seinen  ersten Wurf auf R&S Records. Im Gegensatz zu seinen ansonsten sehr freizügig angelegten !2“ und diverser Remixe zeigt Blake hier weniger was man mit hochgradig intelligenter Beatprogrammierung und einer unfassbaren Soundästhetik in den dunklen Rändern von Dance so alles ableuchten kann, hier konzentriert sich der Herr eher auf Future Soul mit gepitchten Vocals, und lässt seinen Tracks mehr Luft zum atmen. Kein Wunder also dass Radio One mit seinen prominenten DJ’s die Promo hier rauf- und runterspielen. Auf das Album an dem er gerade neben seinem Studium an der Goldsmith schreibt darf man andächtig gespannt sein.